Gendün Rinpoche


war ein erfahrener Meditationsmeister der Kagyü Tradition des tibetischen Buddhismus.
Über 30 Jahre war er in Tibet und Indien in Zurückziehung.
Der 16. Gyalwa Karmapa beauftragte ihn in den siebziger Jahren, in Europa zu lehren.
Seit damals lebte Gendün Rinpoche in Frankreich, wo er am Aufbau der Dhagpo-Zentren maßgeblich beteiligt war.

Die Kindheit in Kham


Lama Gendün Rinpotsche wurde im Jahr 1918 in der Provinz Nangtschen in Kham geboren. Kham ist eine Region im Osten Tibets, deren Bewohner für ihren Mut und ihre Geradlinigkeit bekannt sind.
Rinpotsches Vater war Bildhauer und meißelte bzw. schnitzte Mantras in Stein und Holz.
Die Familie war weder besonders arm noch reich.
Im Sommer führte sie ihre Herden auf die Weide und lebte in einem großen Zelt.

Als kleiner Junge baute sich Rinpotsche manchmal etwas abseits eine Hütte aus belaubten Zweigen, in der er sich in Meditationshaltung hinsetzte und verkündete: „Ich bin ein Einsiedler.“

Schon als kleines Kind sehnte er sich nach einem spirituellen Leben und wünschte sich, einen Lama zu finden und den Dharma zu praktizieren.
Er weinte oft wegen des Leides der Wesen und seiner Unfähigkeit, ihnen zu helfen.

Als Rinpotsche sieben Jahre alt war, gaben seine Eltern seinen wiederholten Bitten nach und brachten ihn in das nahegelegene Kloster von Khyodrag, wo er eine spirituelle Ausbildung erhielt.
Er lebte sehr einfach und befolgte in allem die Regeln der Klostergemeinschaft.
Aufgrund seiner großen Bereitschaft, anderen zu helfen und alles mit ihnen zu teilen, wurde er bald für viele ein Vorbild.
Für die formellen Aktivitäten der Mönche wie das Rezitieren von Texten, Herstellen von Tormas und die rituellen Tänze interessierte er sich weniger:
er wollte vor allem meditieren.

In den ersten Jahren im Kloster widmete sich Rinpotsche dem Studium von Dharmatexten und dann begann er, sein Verständnis in der Meditation anzuwenden.
Mit dreizehn Jahren führte er seine erste Zurückziehung in vollständiger Abgeschiedenheit durch, die einen Monat dauerte. Es folgten weitere, mehrmonatige Retreats.

Mit etwa sechszehn Jahren begegnete Rinpotsche dem 16. Gyalwa Karmapa zum ersten Mal, der, damals noch ein kleines Kind, sein Kloster besuchte.
Mit siebzehn Jahren erhielt Rinpotsche die vollen Mönchsgelübde.

Als sich Ende der fünfziger Jahre die Ereignisse in Tibet zuspitzten und das Land vollständig militärisch besetzt wurde, lebte Gendün Rinpotsche immer noch zurückgezogen in den Bergen.
Da erschien ihm eine Schutzgottheit, die ihm riet, nach Süden zu gehen und ihm ihren Schutz versprach.

Der Auftrag des Gyalwa Karmapa


Bevor Karmapa sich 1974 auf seine erste Reise in den Westen begab, wandte er sich mit folgenden Worten an Rinpotsche: „Ich werde nach Amerika und Europa reisen.
Die Menschen dort leben in Wohlstand, aber sie leiden sehr unter Emotionen wie Stolz, Eifersucht, Begierde und Hass.

Pionierarbeit in Europa (1975 bis 1997)


Gründung des Dharmazentrums Dhagpo Kagyü Ling
Im August 1975 kam Lama Gendün Rinpotsche in Frankreich an und ließ sich in der Dordogne auf dem Land nieder, das Karmapa geschenkt bekommen und zu seinem europäischen Hauptsitz erwählt hatte. (siehe auch: Geschichte des Mandala)

Dort widmete sich Gendün Rinpotsche der ihm anvertrauten Aufgabe, den authentischen Dharma an die Menschen im Westen weiterzugeben.