17. Gyalwa Karmapa Thaye Dordje

Der 17. Gyalwa Karmapa, Trinle Thaye Dorje, wurde am 6. Mai 1983 in Lhasa (Tibet) geboren.
Er ist das älteste Kind des dritten Mipham Rinpotsche, der Reinkarnation eines bekannten Meisters der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus.
Seine Mutter, Detschen Wangmo, wurde in Osttibet in einer adligen Familie geboren und ist eine erfahrene Praktizierende.

In einer Vision empfing Mipham Rinpotsche in den frühen achtziger Jahren die Prophezeiung, dass er – falls er eine Gefährtin nähme – mehrere große Bodhisattvas als Söhne haben würde.

Am folgenden Tag besuchte ihn eine Pilgergruppe aus Osttibet, in der sich auch Detschen Wangmo befand.

Er sah, dass sie bescheiden, sanft und eine verwirklichte Chakrasamvara-
(tib.: Korlo Demtschok) Praktizierende war.
Als er ihr die Heirat vorschlug, war sie sofort einverstanden.
Mipham Rinpotsche und Detschen Wangmo ließen sich in Lhasa nieder, in einer Wohnung, die ihnen eine alte Dame vermietete.


In ihrer Ehe wurden zwei Söhne geboren. Beide Jungen wurden in der Nachbarschaft als außergewöhnliche Kinder angesehen.
Im Alter von zweieinhalb Jahren begann der erste Sohn gelegentlich zu sagen, er sei der Karmapa.

Die Vermieterin der Wohnung war zufällig eine entfernte Verwandte des verstorbenen 16. Karmapa und war ihm begegnet, bevor er 1959 aus Tibet floh.
Er sagte ihr damals: „Bevor Du stirbst, wirst Du mich wiedersehen.“
Aufgrund des außergewöhnlichen Verhaltens des Jungen war sie überzeugt, dass er tatsächlich der Karmapa sei.




Als Ngorpa Lagen, ein bescheidener alter Lama der Sakya-Schule 1985 auf einer Pilgerreise in Lhasa war, sah er das strahlende, helle Gesicht eines kleinen Jungen, der aus dem Fenster eines Privathauses spähte.
Aus Neugier ging er auf das Fenster zu und der Junge sagte: „Weißt du nicht, dass ich der Karmapa bin?“ Ohne ernsthaft über diese Worte nachzudenken, antwortete Ngorpa Lagen: „Wenn du es bist, dann segne mich.“
Der Junge streckte seinen Arm heraus und berührte den Lama, der sofort die tiefe Ruhe und Weite meditativer Versenkung erlebte, in der sich alle Emotionen auflösen.



Einige Tage nach diesem Segen ging Lama Ngorpa mit seiner Pilgergruppe zu Mipham Rinpotsche, um einen Rat zu erbitten. Dabei sah er den kleinen Jungen, der ihn gesegnet hatte, allein in einer Ecke spielen. Mipham Rinpotsche fragte die Gruppe der Besucher, wie viele Familien sie seien.
Als sie „sieben“ antworteten, rief der Junge aus der Ecke: „Acht!“
Sie zählten nach und sahen, dass der Junge recht hatte. Da stellten sich ihm, so berichtete der Lama, überall auf der Haut die Härchen auf und er war zutiefst berührt.

Ausbildung und Aktivität

Seit seiner Ankunft in Indien setzt Gyalwa Karmapa seine Ausbildung, die er bereits in Tibet begonnen hatte, unter Shamar Rinpotsches Obhut fort.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf buddhistischer Philosophie und Meditation.
Auch Professor Sempa Dordje, einer der großen buddhistischen Gelehrten unserer Zeit, gehört zu seinen Lehrern. Außerdem erhält Karmapa von verschiedenen großen Meistern die für den tibetischen Buddhismus und vor allem für die Kagyü-Linie spezifischen Übertragungen.
Daneben entfaltet er eine ständig zunehmende nach außen gerichtete Aktivität.

Im März 1996 gab Gyalwa Karmapa im „Karmapa International Buddhist Institute“ (KIBI) in Neu Delhi in Indien seine erste Ermächtigung, die auf Tschenresi, den Buddha des Mitgefühls (Sanskrit: Avalokiteshvara).

Im Dezember 1996 nahm er in Bodhgaya, am Ort von Buddha Shakyamunis Erleuchtung, am Kagyü-Mönlam teil. Im November 1999 besuchte Karmapa Indonesien und Taiwan, wo er von vielen Schülern willkommen geheißen wurde.
Von dort reiste er im Januar 2000 zum ersten Mal nach Europa.
Im Frühjahr 2000 erhielt er im Kloster Dhagpo Kündröl Ling (Le Bost, Frankreich) umfangreiche Übertragungen von dem großen Sakya-Meister Tschogye Tritschen Rinpotsche sowie von Shamar Rinpotsche.

Auch die Novizengelübde nahm er zu dieser Zeit. Auf dieser Reise unterrichtete Karmapa in vielen Dharmazentren Europas.

Im November 2001 weihte Gyalwa Karmapa in Lumbini (Nepal), dem Geburtsort von Buddha Shakyamuni, in Gegenwart vieler hoher Rinpotsches und Lamas, etwa 800 Mönchen und Nonnen und zwischen 5000 und 6000 Besuchern das von Shangpa Rinpotsche geleitete Drubgyü Chöling-Kloster ein.
Im Februar 2002 wohnte Karmapa der Eröffnung der Schedra „Shree Divakar Buddhist Research Institute“ bei, zu der Schüler der Karma-Kagyü-Linie aus aller Welt anreisten.
Insgesamt waren etwa 2000 Menschen anwesend.
(Einzelheiten über beide Ereignisse sind unter www.kagyu-asia.com zu finden.)

Von Mai bis Dezember 2002 praktizierte Karmapa zusammen mit mehreren anderen jungen Tulkus in Dhagpo Kündröl Ling im Retreat, nachdem er von Khentschen Peldjor Rinpotsche die Übertragung der Sechs Yogas von Naropa erhalten hatte.

Gyalwa Karmapa hält sich die meiste Zeit in der Stadt Kalimpong auf, die in Nord-Indien an der Grenze zu Sikkim liegt.
Dem Wunsch Shamar Rinpotsches entsprechend wird er in den nächsten Jahren seine Zeit zwischen Retreat und Lehrtätigkeit aufteilen.